Chronik

Fachwerkhaus
Mühle Villa d. Obstgut

Die beiden Weltkriege und die Nachkriegszeit

Johann Miebach, Michael Schiffer, Ulrich Schwätzler

Ein Rückblick auf die neue Geschichte Sielsdorfs und die Gründung der Dorfgemeinschaft.

Aus der Festschrift, erstellt anläßlich des Sommerfestes 1975.

In der neueren Geschichte wird Sielsdorf fast nur noch in direkter Verbindung mit Gleuel erwähnt die nun folgende Schilderung der Geschehnisse seit der Jahrhundertwende beruht daher auf mündlichen Überlieferungen und Augenzeugenberichten.

Anfang der 20 Jahrhunderts lebte die Bevölkerung Sielsdorfs fast ausschließlich von eigener Landwirtschaft die Erzeugnisse die nicht selbst verwertet werden konnten, wurden von den Frauen zum Markt nach Köln Lindenthal getragen. Die Männer arbeiteten zum größten Teil in der Landwirtschaft von Horbell und Haus Forst sowie in der Rüben- und Apfelkrautfabrik Veigtbell. Der Rest half als Bauarbeiter in Köln beim Aufbau der Neustadt durch die Kohlenfunde in der näheren Umgebung verlagerte sich der Schwerpunkt der Arbeit in die Industrie nach Frechen und Knapsack. Ein weiteres Betätigungsfeld wurde die Keramikindustrie. Es entstand ein Mangel an Arbeitskräften in der Landwirtschaft, der dadurch behoben wurde dass polnische Arbeiter und Arbeitnehmer zum vereinzeln der Rüben angeworben wurden.Den Hubertushof machte man zum Wohnhof für die Polen am Ende der Rübensaison zogen diese bis auf wenige Ausnahmen wieder in ihre Heimat zurück. Die wenigen Ausnahmen fanden in Sielsdorf ihre neue Heimat Es waren die schönsten - wie sollte es auch anders sein - polnischen Mädchen, die von den Sielsdorfer Burschen zunächst umworben und dann hier behalten wurden.

Der erste Weltkrieg und die Inflation hinterließen auch in Sielsdorf ihre Spuren. Aus der Zeit nach dem ersten Weltkrieg und vor dem zweiten Weltkrieg ist wenig überliefert worden. Die Einwohnerzahl schwankte in diesen Jahren zwischen 150 und 180. Während des zweiten Weltkrieges wurden Flakstellungen zur Flugabwehr Kölns und Knapsacks rund um Sielsdorf errichtet. Wenig später wurde im Dorf eine Hauptscheinwerferstellung mit Flugabhörgeräten installiert. Eine Baracke zur Ausbildung der hier eingesetzten Soldaten wurde an der heutigen Fühlingstraße in Betrieb genommen, vorher waren schlesische Regimenter in Sielsdorf stationiert. Sie brachten Arbeitspferde mit, die in ganz Sielsdorf untergebracht wurden. Spötter sprachen vom "Pferdestall Sielsdorf" Mitte des Krieges wurde im Bauernhof Päffgen eine Feldbäckerei eingerichtet. Das Kommissbrot wurde auch im Hubertushof gelagert, bevor es an die Front gebracht wurde.

Vor Ende des Krieges wurde bei Sielsdorf schwere Artillerie aufgestellt. Samstag, den 03.03.1945, wurde leichte Artillerie nach Sielsdorf verlegt. 2000 Schuß wurden gegen die Amerikaner, die Frechen besetzt hatten, abgeschossen. Montag, den 05.03.1945, wurde Sielsdorf von 5 amerikanischen Panzern eingenommen. Die Sielsdorfer hatten mit Hilfe russischer Kriegsgefangener, die in Horbell zum Arbeitsdienst eingesetzt waren, am Ortsausgang in Richtung Köln einen Bunker gebaut und warteten dort auf die Befreiung durch die 6. Armee von General „Ike“ Eisenhower. Dennoch wurde durch deutsche Panzergeschosse, die von Efferen auf Sielsdorf abgefeuert wurden, eine Frau getötet und eine schwer verletzt. Die Häuser der Gebrüder Viander und der Frau Könn brannten nieder.

Die Amerikaner blieben lediglich 8 Tage in Sielsdorf. Nach Kriegsende wurde an der damaligen Bonnstraße ein Flugplatz für amerikanische Nahaufklärer in Betrieb genommen. Das Leben in Sielsdorf normalisierte sich. Durch die allgemeinen Nachkriegswirren wurde auch in Sielsdorf geplündert. Die Bevölkerung griff zur Selbsthilfe und verteidigte Hab und Gut durch Nachtwachen.

In der schlechten Zeit nach dem Krieg - „Maggelzig“ - kam die Kölner Bevölkerung zu den Höfen der hiesigen Bauern. Durch die landwirtschaftlich günstige Lage wurde auch Sielsdorf zu einer Hochburg von „Knollibrandy“ und „Rübekrog“ (Rübenschnaps, Rübenkraut). Handgesammeltes „geklautes“ Getreide wurde von den Sielsdorfern in der Bottenbroicher Mühle zu Mehl verarbeitet. Auch das „Fringsen“ blühte wie überall (Fringsen nach erteilter Generalabsolution von Kardinal Frings = Erlaubnis zum Mundraub).

1948 wurden 191 Einwohner gezählt. In der folgenden Zeit vergrößerte sich Sielsdorf, was sowohl auf die Einwohner als auch auf die Gebäude zutrifft. 1958 baute die Gemeinde ein Haus für Flüchtlinge und Obdachlose. Von 1969 bis 1975 stieg die Einwohnerzahl von 274 auf 419. Ausschlaggebend war der Bau folgender Siedlungen: 1954 Dorfstr.; 1962 Niklausstr.; Vorster Weg, Fühlingstr.; 1964 Am Gleueler Bach; 1966 erneut Niklausstr. und 1973 Fühlingstrasse.

Bis 1950 gehörte Sielsdorf im Vereins- und Dorfgemeinschaftsleben zu Gleuel. 1950 ergriffen Sielsdorfer Bürger die Initiative zu einer eigenen Dorfgemeinschaft, nachdem festgestellt worden war, dass der hiesige Fußfall 100 Jahre bestand. Initiatoren  waren  Michael  Kastenholz, Wilhelm Ledig, Peter Linnartz, Peter Rosenbaum, Karl Sommer, Josef Viander, Wilhelm Hack, Gerhard Schoog.

Die Gründung wurde mit einem großen Fest gefeiert. Die erste Initiative war die Errichtung des Kriegerdenkmals. Die Mittel wurden von Sielsdorfer Bürgern aufgebracht. Der Platz dafür wurde von der Witwe Elisabeth Viander an der Ecke Dorfstraße / Am Gleueler Bach zur Verfügung gestellt. Dieses Denkmal wurde durch den Ausbau der Dorfstr. auf den heutigen Standort versetzt. Einweihung des Kriegerdenkmals im August 1951.

Von 1950 an wird am Fußfall jährlich eine heilige Messe unter freiem Himmel gefeiert. In der folgenden Zeit hat sich die Dorfgemeinschaft um die Angelegenheiten des Dorfes gekümmert. Durch das Ausscheiden einiger Vorstandsmitglieder gründete sich 1968 ein neuer Vorstand.

Er setzte sich zusammen aus:

Christian Außem, Franz Becker, Matthias Esser, Johann Miebach, Horst Pitzer, Michael Schiffer, Johann Schüller.

Durch Anträge und Anregungen beim Rat der Gemeinde Hürth wurde folgendes erreicht:

  • Verrohrung des Gleueler Baches
  • Ausbau der Dorfstraße
  • Errichtung von Straßenleuchten
  • Einsetzung der Schulbusse
  • eigenständig Bezirksverwaltungsstelle bis Mai 1975
  • Einrichtung eines Kinderspielplatzes und eines Bolzplatzes

Auch die Festlichkeiten des Dorfes wurden nicht vernachlässigt:

St.-Martinszug; Niklausfeier in Verbindung mit der Gaststätte Fischer; Altenbescherung; Karneval und ab 1974 ein Kinder - und Sommerfest. Auch die darauffolgenden Vorstände der Dorfgemeinschaft führten die Arbeit fort, wie Harry Bauer, Rolf Bauer, Alfred Boer, Hans Günter Kroner, Helmut Mantwill Konrad Maßling. Neue Aufgabenbereiche und Betätigungsfelder findet der 1975 gewählte neue Vorstand, dem erstmals eine Frau (Elisabeth Kalkowsky) angehört. Dieser Vorstand dankt allen Bürgern von Sielsdorf für die rege Mitarbeit und Beteiligung. Er setzte sich zusammen aus: Christian Außem, Franz Becker, Matthias Esser, Johann Miebach, Horst Pitzer, Michael Schiffer, Johann Schüller.

Auch die darauffolgenden Vorstände der Dorfgemeinschaft führten die Arbeit fort, wie Harry Bauer, Rolf Bauer, Alfred Boer, Hans Günter Kroner, Helmut Mantwill Konrad Maßling.

Johann Miebach,, Ulrich Schwätzler waren zur damaligen Zeit Mitglieder des Vorstandes der Dorfgemeinschaft. Michael Schiffer gehörte von 1968 bis 1974 dem Vorstand an.               

 August1975

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